Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (Gehirn, Rückenmark). Aufgrund einer Fehlfunktion des Immunsystems greifen die eigenen Immunzellen die Ummantelung (Myelinscheide) der schnell leitenden Nervenfasern und Nervenzellen an. Zudem werden Antikörper gegen die Nervenscheiden gebildet. Die MS wird daher auch als Autoimmunerkrankung bezeichnet.

Die MS kann sich in einer Vielzahl verschiedener, neurologischer Symptome äußern. Zudem unterscheiden sich der Schweregrad und der Verlauf von Patient zu Patient.

Die häufigsten Frühsymptome sind:

  • Sehstörungen
  • Empfindungsstörungen
  • Allgemeine Mattigkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • Gangunsicherheit
  • Koordinationsstörungen
  • rasche Ermüdbarkeit
     

Ursachen für MS

Welche Faktoren zu dieser Autoimmunerkrankung führen, ist nach wie vor nicht vollständig geklärt. Es besteht eine erbliche Veranlagung, die Menschen „anfälliger“ macht, eine MS zu entwickeln. Diskutiert werden ferner Infektionen mit verschiedenen Viren sowie eine Fehlregulation im Immunsystem.

Wer ist betroffen?

Multiple Sklerose ist eines der häufigsten chronischen, neurologischen Leiden. Das Haupterkrankungsalter liegt zwischen dem 20. und dem 40. Lebensjahr. Bei 3 bis 6 Prozent der Betroffenen wird eine MS bereits im Kindes- und Jugendalter diagnostiziert. Die Multiple Sklerose ist nicht ansteckend, nicht direkt vererbbar und verläuft in der Regel nicht tödlich.

Behandlung

Leider ist die multiple Sklerose bis heute nicht heilbar. Die moderne Medizin kann aber das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen und die Symptome lindern. Das Behandlungskonzept wird in Schubtherapie, Langzeittherapie (Basistherapie) und Eskalationstherapie unterteilt.

Die Schubtherapie soll eine rasche und weitgehende Rückbildung der akuten Funktionsstörungen erreichen. Eine Basistherapie wird heute als kontinuierliche, vorbeugende Maßnahme empfohlen, um das Auftreten von weiteren Schüben und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen oder bestenfalls zu unterbinden. Erreicht die Basistherapie nicht den gewünschten Erfolg, kann zur Stabilisierung auf Medikamente der Eskalationstherapie zurückgegriffen werden.

Daneben spielt die symptomatische Therapie bei den Betroffenen eine große Rolle. Der Begriff fast alle medikamentösen und nicht-medikamentösen Behandlungsformen zusammen, die individuell im Vordergrund stehende Begleitsymptome der MS lindern oder Komplikationen vermeiden helfen. Eine entsprechende Physiotherapie und Ergotherapie können vorhandene Fähigkeiten erhalten und verbessern ganz allgemein die Lebensqualität.

Was kann man selbst tun?

Ernährung

Es gibt keine typische „MS-Diät“. Allerdings kann eine günstige Ernährung das Entzündungsgeschehen und damit den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Eine Reihe seriöser Broschüren über die „Ernährung bei MS“ sind im Handel erhältlich.

Alternative Methoden

Nicht unumstritten ist der hochdosierte Einsatz von z.B. Vitamin-B-Komplex, Vitamin C, Vitamin D, Zink, Selen, Omega-3-6-Fettsäuren, und alpha-Liponsäure sowie Weihrauch und Johanniskraut. Für viele dieser Stoffe wird ein positiver Einfluss auf das Immunsystem diskutiert – im Zusammenhang mit der Erkrankung sollte man aber immer einen erfahrenen Arzt zu Rate ziehen. Die adäquate Basistherapie ist damit nicht zu ersetzen.

Bewegung und Sport

Bewegung und Sport sind auch im Hinblick auf die MS grundsätzlich positiv zu sehen. Sie tragen zur Steigerung der Lebensqualität bei.

Allerdings erzeugt Bewegung Wärme und kann die Körperkerntemperatur in den Fieberbereich anheben. Die Temperaturerhöhung kann die Nervenleitfähigkeit beeinträchtigen und zu einer vorübergehenden Verschlechterung der neurologischen Symptome führen. Über 60% der MS-Patienten leiden unter diesem „Uhthoff-Phänomen“, das aber nicht mit einem „Erkrankungsschub“ verwechselt werden darf. Maßnahmen wie z.B. Kühlwesten können hier hilfreich sein.

Können Wärmeanwendungen helfen?

Im Rahmen der symptomatischen Therapie würden sich Wärmeanwendungen durchaus anbieten, denn sie wirken schmerzlindernd und entspannend auf die Muskulatur. Ferner verbessern sie die Gewebeversorgung.

Künstliche Temperaturerhöhungen in den Fieberbereich sollten MS-Patienten allerdings vermeiden. Hinsichtlich der Wärmeanwendungen muss daher eine Differenzierung vorgenommen werden.

Grundsätzlich unterliegt die Körperkerntemperatur täglichen Schwankungen im Bereich von 0,5°C, daher sind milde Erhöhungen unterhalb des Fieberbereiches vermutlich unbedenklich. Milde Durchwärmungsanwendungen erhöhen die Körperkerntemperatur nur geringfügig um 0,2-0,3°C. Auch in der Körperschale (Muskulatur, Bindegewebe, Knochen und Gelenke) wird durch die Umverteilung der Wärme kein künstliches Fieber erzeugt. Daher bietet die Infrarotkabine eine angenehme Art der Durchwärmung.

Wärmeanwendungen welche die Körperkerntemperatur auf über 38°C erhöhen, sind dagegen als kritisch zu sehen. Zu beachten ist ferner, dass das Wärmeempfinden und die Wärmeregulationsfähigkeit der Haut beeinträchtigt sein können. Intensive Bestrahlungen sollte man daher anfangs vermeiden. Zu empfehlen sind Wärmeapplikationssysteme, die sich auf Basis einer laufenden Überwachung automatisch auf den Nutzer einstellen. 

Wesentlich ist, dass in jedem Fall der behandelnde Arzt zu Rate gezogen wird. Er wird die individuelle Situation mit seinem Patienten abklären. Nicht jeder MS-Patient reagiert auf Wärme positiv. Ein erstes Entscheidungskriterium kann z.B. sein, ob man Wärme im Alltag eher sucht oder meidet. Im akuten Schub ist auf eine Anwendung in jedem Fall zu verzichten.